Ökologie - Schleichende Vergiftung

Schleichende Vergiftung

Mit welcher Ignoranz behauptet der BBV-Kreisobmann Koller, dass es in Deutschland keinen einzigen Fall gibt, in dem Menschen durch Pflanzenschutzmittelrückstände erkrankt sind?

Eine schleichende Vergiftung von Menschen durch Pestizid-kontaminierte Nahrungsmittel und Spritznebelabdrift stellt fast überall eine Gefahr für chronische Erkrankungen dar. Dazu sollte Herr Koller mal Umweltmediziner befragen, die solche Menschen als Patienten behandeln und sich nicht auf die Infos der Agrarchemie blind verlassen.

Aber nicht nur wir Verbraucher sind gefährdet sondern auch besonders die Landwirte, die diese Substanzen ausbringen und intensiv damit umgehen. Pestizide können Menschen sowohl akut als auch chronisch schädigen. Besonders für Kinder, Schwangere und ältere Menschen sind Pestizide ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. Studien belegen den Einfluss von Pestiziden auf neurologische und kognitive Störungen, Parkinson, Alzheimer, Fortpflanzungsstörungen und bestimmte Krebsformen. Nicht umsonst veröffentlicht das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit jährlich einen Monitoring-Bericht über gesundheitlich nicht erwünschte Substanzen in Nahrungsmitteln.

Der Absatz von Pestiziden ist in Deutschland auf den höchsten Stand seit 2009 gestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag. 2017 belief sich der Absatz an Wirkstoffen für Pflanzenschutzmittel nach dem BLV demnach auf rund 35.000 Tonnen (davon ca. 5000 t in privaten Gärten etwa 5.000 Tonnen mehr als noch 2009. Allein wurden 4.700 Tonnen Glyphosat in Deutschland  2017 verkauft.

Die Pestizid-Hersteller verkaufen ihre Wirkstoffe nicht pur, sondern als gebrauchsfertige Mischungen an die Landwirte. Werden alle Zusätze in diesen Mischungen zu den eigentlichen Wirkstoffen dazu addiert, ergibt sich für 2017 eine Menge von 48.306 Tonnen an gebrauchsfertigen Pestiziden, verteilt auf 818 zugelassene Mittel. Von der Wirkstoffmenge dürften 3642 Tonnen auch im ökologischen Landbau eingesetzt werden, schreibt das BVL. Der allergrößte Teil davon dürfte auf Schwefel entfallen, der nach Glyphosat mengenmäßig wichtigste Wirkstoff in der Statistik. Kupferhydroxid ist in der Größenklasse 250 bis 1000 Tonnen aufgeführt, wird aber auch von konventionellen Betrieben eingesetzt.

Von den derzeit zugelassenen rund 770 Pestiziden sind immerhin 533 mit einem Gefahrenhinweis versehen und 22 von der EU als vermutlich krebserzeugend eingestuft.

Kaum eine Stoffgruppe wird in so großen Mengen ausgebracht wie Pestizide. Ihr Einsatz vernichtet nicht nur die so sogenannten Unkräuter und Schädlinge. Da diese auch die Nahrungsgrundlage und Schutzräume vieler Tiere in der Agrarlandschaft sind, tragen Pestizide maßgeblich zum Verlust der biologischen Vielfalt bei und bedrohen grundlegende ökosystemrelevante Prozesse.

Für uns und unsere nachfolgenden Generationen und nicht zuletzt der Umwelt ist daher eine ökologisch und nachhaltig wirtschaftende  Landwirtschaft unabdingbar.

 

V. Hintze, Salzweg

 

 

 

 

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